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Illustration von drei geschlossenen Kinosaaltüren mit einer Absperrkordel davor
Illustration von drei geschlossenen Kinosaaltüren mit einer Absperrkordel davor
01B Cat: Festivalwesen

Die Aufgabe jüdischer Filmfestivals weltweit: das Programm dahinter

1980 richtete Deborah Kaufman in San Francisco das erste jüdische Filmfestival der Welt aus. Dreizehn Jahre später gründete Helen Zukerman in Toronto eines, nachdem sie in San Francisco zu Gast gewesen war. Zwei Jahre danach kam Berlin.

Stand 08. September 2026

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Die Bedeutung jüdischer Filmfestivals hat einen Ausgangspunkt, und der liegt in Kalifornien: 1980 richtete Deborah Kaufman in San Francisco das erste jüdische Filmfestival der Welt aus. Es läuft bis heute, veranstaltet vom Jewish Film Institute, und gilt als das größte und am längsten laufende seiner Art. Fast jedes spätere Festival dieser Sorte lässt sich auf dieses eine zurückführen – Helen Zukerman gründete das Toronto Jewish Film Festival 1993, nachdem sie in San Francisco zu Gast gewesen war.

Die Aufgabe, die sich diese Festivals selbst zuschreiben

Die Begründungen fallen erstaunlich gleichförmig aus, und zwar nicht aus Bequemlichkeit: die Aufgabe ist tatsächlich überall dieselbe. Es geht um Filme, für die es in den jeweiligen Ländern weder einen Verleih noch einen Sendeplatz gibt. Die Berliner Selbstbeschreibung formuliert es so, dass Perspektiven gezeigt werden sollen, die im täglichen Strom der Schlagzeilen selten vorkommen.

Das ist weniger banal, als es klingt. Ein israelischer Dokumentarfilm über eine Familie in Jaffa findet in Deutschland keinen Kinostart, egal wie gut er ist. Ohne Festival läuft er hier nicht.

Jüdische Filmfestivals weltweit: eine kurze Chronologie

Die Gründungsdaten ergeben eine Reihe, die sich lesen lässt: San Francisco 1980, Toronto 1993, Berlin und Potsdam 1995, London 1997. Dazu kommen Festivals in Hongkong und Indianapolis und Dutzende kleinere in Nordamerika und Europa.

Auffällig ist der Abstand zwischen dem ersten und dem zweiten. Dreizehn Jahre lang blieb San Francisco allein, dann kamen innerhalb von vier Jahren drei weitere. Jüdische Filmfestivals weltweit sind damit weniger eine Gründungswelle der Achtziger als eine der Neunziger – was zeitlich mit dem Ende des Kalten Kriegs und dem Oslo-Prozess zusammenfällt, ohne dass sich daraus eine Ursache machen lässt.

Was im Programm tatsächlich landet

Die beste Auskunft darüber gibt kein Selbstverständnis, sondern ein Programm. Im dokumentierten Berliner Bestand stehen 196 Werkangaben aus neun Jahrgängen. Israel stellt 63 Titel, die USA 36, Frankreich 12, Deutschland 7. Der Rest verteilt sich auf Australien, Belgien, Norwegen, Österreich, Kasachstan, Argentinien und ein Dutzend weitere.

Die Form ist ebenso aussagekräftig: Dokumentarfilme dominieren die späteren Jahrgänge deutlich, während der Jahrgang 2004 überwiegend Spielfilme führte, viele davon Wiederaufnahmen aus früheren Festivaljahren. Ein Programm, das sich aus Wiederaufnahmen speist, hat entweder wenig Zulauf oder ein Jubiläum – 2004 war es das zehnte Jahr.

Wer jüdische Filmfestivals weltweit vergleichen will, stößt hier auf ein praktisches Problem: die meisten veröffentlichen ihre alten Programme nicht dauerhaft. Was von einem Jahrgang übrig bleibt, ist oft eine Pressemitteilung und eine Preisträgerliste. Der Berliner Bestand ist deshalb weniger eine Besonderheit als ein Zufall der Überlieferung.

Die Bedeutung jüdischer Filmfestivals liegt im Saal, nicht auf der Leinwand

An dieser Stelle weicht der Befund von der üblichen Erzählung ab. Die Bedeutung jüdischer Filmfestivals wird meist über die Filme begründet, und das trifft nur die Hälfte. In den Berliner Programmen ist zu jeder zweiten Vorstellung mindestens ein Gast vermerkt: Regisseurinnen, Produzenten, Cutterinnen, Zeitzeugen. Zur Vorstellung von Das Haus in der Auguststraße 2008 kamen die Regisseurin Ayelet Bargur, die Produzentin Edna Kowarski, die Cutterin Einat Glazer-Zarhin und mehrere ehemalige Zöglinge des Kinderheims „Beit Ahawah”, über das der Film erzählt.

Solche Abende sind nicht wiederholbar und nicht streambar. Das ist die Aufgabe, die ein Festival erfüllt und eine Mediathek nicht. Die Bedeutung jüdischer Filmfestivals bemisst sich damit an etwas, das in keinem Programmheft steht und sich nachträglich nur an den Gästelisten ablesen lässt.

Ein Nebenaspekt: die Preisgelder

Eine Randbeobachtung, die in keine der Begründungen passt. Die Berliner Preise waren zusammen mit 7.000 Euro dotiert, verteilt auf drei Kategorien. Für eine Filmproduktion ist das kein Betrag, der etwas finanziert. Er funktioniert als Auszeichnung, nicht als Förderung – und trotzdem stehen die Preisträgerlisten zwischen 2002 und 2014 voller Namen, die danach international weitergearbeitet haben. Joseph Cedar, der 2012 gewann, war ein Jahr zuvor für einen Oscar nominiert.

Woran genau das liegt, ob an der Auswahlqualität oder daran, dass Jurys ohnehin auf Filme schauen, die schon Aufmerksamkeit haben, sagt keine der Quellen. Das Programm weltweit gibt darauf keine Antwort, und die Berliner Unterlagen erst recht nicht.

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Häufige Fragen

Was ist die Aufgabe jüdischer Filmfestivals?

Sie zeigen Filme, für die es sonst keinen Verleih und keinen Sendeplatz gibt – vor allem israelische Produktionen und Dokumentarfilme mit jüdischen Themen. Dazu kommt ein zweiter, praktischer Teil: sie organisieren das Gespräch danach. In den dokumentierten Berliner Jahrgängen ist zu jeder zweiten Vorstellung mindestens ein Gast vermerkt.

Welches war das erste jüdische Filmfestival?

Das San Francisco Jewish Film Festival, 1980 von Deborah Kaufman gegründet. Es ist bis heute das am längsten laufende und größte seiner Art und wird vom Jewish Film Institute veranstaltet.

Welche jüdischen Filmfestivals gibt es weltweit?

Unter anderem in San Francisco (seit 1980), Toronto (1993), Berlin und Brandenburg (1995), London (1997) sowie in Hongkong und Indianapolis. Die Reihe ist damit nicht vollständig: allein in Nordamerika existieren Dutzende lokale Festivals dieser Art.

Wie kommt ein Film in ein solches Programm?

Über eine Einreichung und eine Auswahl, deren Kriterien die Festivals in der Regel nicht veröffentlichen. Für die Berliner Jahrgänge sind die Ergebnisse überliefert, die Auswahlprotokolle nicht – was sich über die Programme belegen lässt, ist das Ergebnis, nicht die Begründung.