Dieses Archiv hat drei Ebenen, und es hilft, sie auseinanderzuhalten. Ganz oben stehen die Jahrgänge: neun Editionen des Jüdischen Filmfestivals Berlin und Potsdam zwischen 2004 und 2012, je eine Seite mit dem vollständigen Programmbestand des Jahres. Darunter liegt das Filmverzeichnis, das alle 196 erfassten Werkangaben nach Produktionsland gruppiert. Und darunter die achtzehn Archivblätter zu einzelnen Filmen, zu denen mehr überliefert ist als die Werkangabe.
Was in einem Archivblatt steht
Ein Blatt führt, was die Programmseite ausgewiesen hat: Titel, Form, Regie, Produktionsland, Produktionsjahr, Laufzeit, Sprachfassung. Wo die Quelle mehr hergab, kommen Aufführungsstatus, Spielort, Vorstellungstermin, Gästeliste und Auszeichnung hinzu. Am Fuß jedes Blatts steht die Adresse der Quellseite und das Datum der Fassung, aus der die Angaben stammen.
Was nicht dort steht, ist ebenso wichtig. Die Einführungstexte der damaligen Programmgestalter sind nicht übernommen, und die Pressebilder der Verleihe fehlen ebenfalls. Die Gründe dafür stehen auf der Seite über dieses Archiv.
Warum die Angaben uneinheitlich aussehen
Beim Durchsehen fällt sofort auf, dass dieselbe Sache verschieden geschrieben ist: „Israel” und „IL”, „Großbritannien” und „UK”, „88 Min.” und „72 min”. Das ist nicht nachlässig, sondern absichtlich. Die Programmseiten stammen aus vier Generationen eines Webauftritts, und jede hatte ihre eigenen Konventionen. Eine Vereinheitlichung würde verdecken, aus welcher Zeit eine Zeile stammt – und sie würde bei jedem Fehler die Spur zur Quelle abschneiden.
Dasselbe gilt für die Adressen. /filme2010_romeo_and_juliet_in_yiddish.php und
/filme/the-polgar-variant/ liegen fünf Jahre auseinander und zeigen zwei völlig verschiedene
Systeme dahinter.
Drei Befunde, die beim Querlesen auffallen
Erstens die Verschiebung des Programms. Der Jahrgang 2004 besteht zu großen Teilen aus Wiederaufnahmen älterer Festivaljahre und aus US-Produktionen; ab 2008 dominieren israelische Erstaufführungen. Über den ganzen Bestand stellt Israel 63 Titel, die USA 36.
Zweitens die Gäste. Zu etwa jeder zweiten Vorstellung nennt das Programm mindestens einen Gast, und oft sind es keine Randfiguren: Regisseurinnen, Produzenten, Cutterinnen, Zeitzeugen, in einem Fall die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages. Das Festival war offensichtlich weniger als Vorführbetrieb angelegt denn als Gesprächsformat.
Drittens die Frauen in den Regieangaben. In den frühen Jahrgängen sind sie selten, ab 2010 stehen sie regelmäßig – Yael Hersonski, Tamar Tal, Ayelet Bargur, Vidi Bilu, Ester Amrami, Nadja Tenge, Sally Musleh Jaber, Annet Betsalel, Diana Groó. Ob sich damit die Einreichungen geändert haben oder die Auswahl, ist aus den Quellen nicht zu beantworten.
Die Beiträge neben dem Bestand
Vier längere Texte ordnen ein, was die Listen nur zeigen: die Geschichte des Festivals von der Gründung 1995 bis zur heutigen Leitung, die Aufgabe jüdischer Filmfestivals im internationalen Vergleich, die einflussreichsten jüdischen Filmemacher von den Hollywood-Gründern bis zu den israelischen Regisseuren des Bestands, und die Frage, wie sich die Shoah in Film und Kunst überhaupt behandeln lässt.
Ein fünfter Bereich fällt aus dem Rahmen und steht deshalb getrennt: Filme, die als Spielautomaten lizenziert wurden. Das ist Filmwirtschaft, nicht Festivalgeschichte, und der Bereich ist als solcher gekennzeichnet.
Eine Lücke, die nicht zu schließen ist
Der Bestand endet mit 2012, obwohl das Festival ohne Unterbrechung weiterlief – die 21. Edition fand 2015 statt, und unter dem heutigen Namen ist für Mai 2027 die 33. angesetzt. Für die Jahre zwischen 2013 und dem Namenswechsel existiert keine Programmübersicht in der Form, die die früheren Jahrgänge haben. Einzelne Filmseiten aus 2013 bis 2015 sind erhalten, und sie sind hier verarbeitet; eine Jahresliste ist daraus nicht zu rekonstruieren.
Wer solche Unterlagen hat – ein Programmheft, eine gespeicherte Seite, eine Pressemappe –, findet auf der Kontaktseite, wohin damit.