NetEnt veröffentlichte den Scarface-Automaten im April 2012: fünf Walzen, 20 Gewinnlinien, eine RTP von 96,8 Prozent. Der Film, auf dem er beruht, war zu diesem Zeitpunkt neunundzwanzig Jahre alt und hatte einen Weg hinter sich, der für Lizenzgeschäfte typischer ist als der Weg eines Erfolgsfilms.
Ein Film, der zweimal gedreht wurde
Scarface von 1983 ist eine Neuverfilmung. Howard Hawks drehte den ersten 1932, nach einem Roman von Armitage Trail, über einen Gangster in Chicago während der Prohibition. Brian De Palma verlegte die Handlung 1983 nach Miami und machte aus dem Protagonisten einen kubanischen Einwanderer; das Drehbuch schrieb Oliver Stone, die Hauptrolle spielte Al Pacino.
Bei seinem Start war der Film in den USA vor allem ein Streit über Gewaltdarstellung. Die Altersfreigabe wurde mehrfach verhandelt. Kritisch war die Aufnahme geteilt.
Wie aus einem Film eine Bildmarke wurde
Der eigentliche Vorgang spielte sich nach dem Kinostart ab. Über die Neunziger und Nullerjahre wurden Standbilder aus dem Film zu Postern, T-Shirt-Motiven und Musikvideo-Zitaten. Die Figur wurde in der Hip-Hop-Kultur zur Referenz, unabhängig davon, ob der Film selbst noch gesehen wurde.
Damit entstand, was eine Automatenlizenz braucht: Motive, die ein Publikum erkennt, ohne den Film zu kennen. Das unterscheidet diesen Fall von Terminator 2, wo der Film selbst noch regelmäßig läuft.
Was der Automat daraus nimmt
Der Titel arbeitet mit den bekannten Bildelementen des Films und bleibt technisch konventionell: fünf Walzen, 20 feste Gewinnlinien, ohne die variablen Mechaniken, die wenige Jahre später üblich wurden. Verglichen mit The Expendables Megaways von 2020 wirkt das wie eine andere Produktgeneration, und das ist es auch.
Ein Satz als Lizenzgegenstand
Was diesen Fall von den anderen unterscheidet, lässt sich an einer einzelnen Tonspur festmachen. Die Schlussszene des Films hat eine Zeile hervorgebracht, die weit über den Film hinaus bekannt geworden ist, und sie wird bis heute zitiert von Leuten, die den Film nie gesehen haben.
Für eine Lizenz ist das ein eigener Posten. Titel und Logo sind Standard, Bildmotive verhandelbar, aber ein Satz, der für sich allein erkannt wird, ist ein Aktivposten, der nicht am Film hängt. Er lässt sich auf ein T-Shirt drucken, in einen Refrain einbauen und in einen Automaten legen, ohne dass eine einzige Einstellung mitgeliefert werden muss.
Damit erklärt sich auch der zeitliche Abstand. Der Film von 1983 war bei seinem Start umstritten und kommerziell mittelmäßig; was ihn lizenzfähig gemacht hat, ist nicht seine Auswertung im Kino, sondern eine zweite Karriere in Bildern und Zitaten, die zwei Jahrzehnte gedauert hat. Ein Rechteinhaber, der 2012 verkauft, verkauft nicht den Film von 1983, sondern das, was inzwischen aus ihm geworden ist.
Ob der Satz in der Automatenlizenz ausdrücklich genannt war, ist nicht dokumentiert – wie der Lizenzgeber selbst. Er steht hier trotzdem, weil er die Frage beantwortet, die dieser Fall aufwirft: warum ausgerechnet dieser Film, und warum so spät.
Der Vorgang hat noch eine zweite Seite, die selten benannt wird. Eine Figur, die als Bildmarke funktioniert, löst sich von dem, was der Film über sie erzählt. De Palmas Film endet nicht mit einem Aufstieg, sondern mit einem Untergang, und die Härte dieses Schlusses war 1983 der Grund für den Streit über die Altersfreigabe. In der Verwertung als Motiv bleibt davon der Anzug, die Zigarre und die Pose – der Teil, der sich ohne Handlung wiedererkennen lässt.
Eine offene Frage zur Lizenzkette
Für die anderen Titel in diesem Verzeichnis ist der Lizenzgeber dokumentiert – StudioCanal, Universal, Skyrocket Entertainment. Für den Scarface-Automaten ist er in den hier verwendeten Quellen nicht benannt, und er bleibt deshalb im Lizenzblatt leer. Die Rechte am Film von 1983 liegen bei Universal; ob die Automatenlizenz direkt von dort kam oder über eine Agentur, ist damit nicht belegt.
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